Neue Dialoge mit Kunst aus der ehemaligen DDR

Was uns prägt – Geschichten aus zehn Jahren HPF
Neue Dialoge mit Kunst aus der ehemaligen DDR

DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam

Anlässlich unseres 10. Jubiläums im Dezember 2025 stellen wir regelmäßig die Menschen, Projekte und ihre Ziele vor, die das Ökosystem der Stiftung prägen.

In diesem Beitrag widmen wir uns dem MINSK Kunsthaus in Potsdam, einem Ort der Begegnungen, die über die reine Kunst hinausgehen. 2025 zeigte DAS MINSK IM DIALOG – Sammlung Hasso Plattner: Kunst aus der DDR, kuratiert von Daniel Milnes. Der in Yorkshire geborene Kunsthistoriker kam nicht über einen Sprachkurs nach Potsdam, sondern durch Galerien.  

„Ich stamme aus Leeds“, sagt er. „Erstmals mit Kunst beschäftigt habe ich mich durch mein Studium der russischen und deutschen Literatur. Dadurch kam ich zur Kunstgeschichte und zur Arbeit als Kurator.“

  • Daniel Milnes, Foto: Clemens Porikys

2025 kuratierte Daniel die Sammlungspräsentation IM DIALOG – Sammlung Hasso Plattner: Kunst aus der DDR. Man könnte es als einen stillen, aber entschlossenen Akt sehen, eine mutige Idee in die Tat umzusetzen: übersehene Werke öffentlich zugänglich zu machen – nicht isoliert, sondern im Austausch mit breiteren kulturellen Diskursen.

„Eine der größten Herausforderungen für Kunst aus der ehemaligen DDR ist die Sichtbarkeit“, erklärt Daniel. „Wie kann Kunst, die im Kontext des wiedervereinigten Deutschlands nach 1989 marginalisiert wurde, heute die Anerkennung bekommen, die sie verdient, und zugleich die Abwesenheit wettmachen, die sie über die vergangenen 35 Jahre erlitten hat?“

Für Daniel ist diese Frage sehr persönlich. Seine Reise durch die Kunstgeschichte war stets von dem Wunsch geprägt, Zeiten, Orte und Menschen miteinander zu verbinden.

„Mein Interesse galt immer dem großen Ganzen. Ich wollte Sprachen lernen, reisen und die Welt verstehen. Diese Neugier treibt mich an, nach bedeutungsvollen Verbindungen zwischen vielfältigen Kulturen zu suchen und zu fragen, wie diese uns helfen können, die Vergangenheit und die Gegenwart mit Blick auf die Zukunft zu verstehen.“

Am MINSK entfalten sich diese Verbindungen in Echtzeit. Die Lage des Museums – an einem Ort mit einer vielschichtigen Geschichte – bietet die Kulisse für ein Programm, das sowohl regional verwurzelt als auch global relevant ist. Und die Kunstwerke, die Daniel kuratiert, sind häufig mit Geschichten von Widerstand und Komplexität aufgeladen.

Ein Paradebeispiel: Seher in der Wüste (1978/79) von Gabriele Stötzer. Erstmals 2023 als Leihgabe in der Ausstellung Soft Power gezeigt, gehört das Werk inzwischen fest zur Sammlung Hasso Plattner – ein Moment, den Daniel als „zutiefst bedeutsam“ bezeichnet.

„Trotz des kleinen Formats trägt das Werk eine große Energie und Wichtigkeit für Stötzers Leben und Schaffen. Es spielt nun eine Schlüsselrolle in der Präsentation IM DIALOG.“

  • Installationsansicht der Ausstellung IM DIALOG – Sammlung Hasso Plattner: Kunst aus der DDR, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. © VG Bild-Kunst, Bonn 2025; Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung, Leipzig, Foto: Jens Ziehe

  • Installationsansicht der Ausstellung IM DIALOG – Sammlung Hasso Plattner: Kunst aus der DDR, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. © VG Bild-Kunst, Bonn 2025; Courtesy Núria Quevedo, Foto: Jens Ziehe

 

Die Ausstellungen selbst sind nur ein Aspekt der Arbeit. Ebenso wichtig ist die Plattform, die DAS MINSK für den fortlaufenden Diskurs schafft – durch Podcasts, Interviews mit Künstler*innen und die offene Zusammenarbeit mit anderen Institutionen in Deutschland und im Ausland.

„Der Erfolg der laufenden Ausstellung – und des dazugehörigen Podcasts – unterstreicht, wie wichtig es ist, die Sichtbarkeit, die solche Projekte erzeugen, aktiv zu teilen.“

Das ist nicht immer einfach. Doch für Daniel schärft das nur den Fokus auf Werte.

„Es ist wichtig, ein klares Verständnis für die eigenen Werte zu haben. Die Auseinandersetzung mit größeren institutionellen Strukturen bringt zwangsläufig Herausforderungen mit sich. Diese zu überwinden, setzt ein festes Bekenntnis zu den Künstler*innen und Kulturschaffenden voraus, mit denen man zusammenarbeitet – und die transparente Kommunikation dieser Prinzipien.“

Auf die Frage, was ihn inmitten institutioneller Beschränkungen und künstlerischer Debatten erdet, antwortet er einfach: „Die Kunst.“

„Die Arbeit als Kurator erfordert mitunter einen sehr großen emotionalen und intellektuellen Einsatz. Doch das Engagement für Kunst kann unerschütterlich sein. Es ist ein Privileg, sich täglich mit Kunst, Künstler*innen und den Ideen zu befassen, die sie in die Welt bringen.“

  • Installationsansicht der Ausstellung IM DIALOG – Sammlung Hasso Plattner: Kunst aus der DDR, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. © VG Bild-Kunst, Bonn 2025; Archiv »ex.oriente.lux« - Glashaus e.V. Berlin (Claus Löser), Foto: Jens Ziehe

  • Installationsansicht der Ausstellung IM DIALOG – Sammlung Hasso Plattner: Kunst aus der DDR, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. © VG Bild-Kunst, Bonn 2025; Courtesy Gerhard Richter, Foto: Jens Ziehe

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2022 wird DAS MINSK von der Hasso Plattner Foundation unterstützt. Deren Engagement sowohl für das historische Gebäude als auch für die Sammlung gab dem Museum eine solide Basis und ein ehrgeiziges Mandat.

„Es ist eine Ehre, mit einer spannenden und historisch bedeutsamen Sammlung zu arbeiten und durch konsequente Forschung und ein umfangreiches Ausstellungsprogramm zu ihrem weiterem Wachstum beizutragen“, sagt Daniel.

Anlässlich des 10. Jubiläums der Stiftung im Jahr 2025 erhofft sich Daniel, dass die Neugier und die Ausrichtung auf ethische Neuerung in das nächste Jahrzehnt überführt werden.

„Ich hoffe, dass ich am MINSK noch weitere Stimmen in die Diskussion über die Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft einbinden kann – von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft.“

Denn was ist Ambition, wenn nicht das geduldige Streben nach dem Blick fürs große Ganze?

Was uns prägt – Geschichten aus zehn Jahren HPF

Zum Jubiläum teilen wir Geschichten aus unserem Ökosystem – Momentaufnahmen der Menschen und Ideen, die es prägen. Von Juli bis Dezember 2025 veröffentlichen wir regelmäßig neue Beiträge auf unserer Jubiläumsseite. Wir laden Dich ein, dabei zu sein – und vielleicht selbst Inspiration zu finden.